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Wege der Individuation

Individuation ist ein Differenzierungsprozess, der die Entwicklung des unverwechselbaren Selbst zum Ziel hat. Der Begriff geht aus den Theorien des Psychoanlytiker Carl Gustav Jung hervor. In der Mitte zwischen dem Bewusstsein und Unbewussten fungiert das Selbst als eine ausgleichende Instanz zwischen den beiden Kräften. Damit das Selbst dieser Aufgabe im vollem Umfang nachgehen kann, ist es notwendig, die Wirkung und Wirklichkeit des Unbewussten anzuerkennen. Durch diesen Vorgang wird die Persönlichkeitsentwicklung vorangetrieben, die Jung als Individuation bezeichnet. Um seinen Ideen näher zu kommen ist es wichtig, zu verstehen, dass Jung als ein Schüler Freuds dessen Vorstellung vom Unbewussten um den historischen Aspekt der Kollektivpsyche erweitert. Diese unsterbliche Größe verbindet uns mit unseren Ahnen und den Ungeborenen. Sie ist die Grundlage seiner Archetypentheorie und begegnet uns in den lebhaften Bildern unserer Traum- und Phantasiewelt. »Das Mythologische ist die ureigentlichste Sprache dieser psychischen Vorgänge, und keine intellektuelle Formulierung kann auch nur annähernd die Fülle und Ausdruckskraft des mystischen Bildes erreichen. Es handelt sich um Urbilder, die darum auch am besten und treffendsten durch eine bildhafte Sprache wiedergegeben werden.« (Jung 1985: 30)

Märchen rücken diese vielschichtige Sprachbilder in den Fokus ihrer Handlungen und stellen deshalb seit jeher einen wertvollen Gegenstand für Kulturwissenschaftler, Religionsforscher und Psychologen dar. Mit Offenheit betrachtet vermag uns ihre Weisheit ein wertvolles Geleit dem notwendigen Prozess der Individuation zu geben.

Ein Märchen begleitete meine Diplomarbeit auf besondere Weise. Die Erzählung »Der vergrabene Mond«, engl. »The Buried Moon«, entstammt der 1890 veröffentlichten Märchensammlung »English Fairy Tales« von Joseph Jacobs. Das darin enthaltene Gleichnis vom heranwachsenden und untergehenden Mond verweist auf den unendlichen Kreislaufs von Werden und Vergehen. Die sprachlichen Bilder des Märchens, ließen mich einen Ort assoziieren, den ich zuletzt mit Kinderaugen erblickt hatte. Dieser Spur folgend, führte mich meine praktische Diplomarbeit nach Eisenach. Ich radierte und zeichnete auf abgelegenen Waldlichtungen, windigen Hügeln und unter jahrhundertenalten Bäumen. Auf bildnerische Weise näherte ich mich den Wegen meiner Vergangenheit und versuchte darüber hinaus, einen Schimmer einer wesentlich älteren Geschichte grafisch einzufangen. Sieben Kaltnadelradierungen, von denen fünf die Grundlage einer originalgrafischen Mappe bilden sowie Tusche- und Grafitzeichnungen in unterschiedlichen Formaten entstanden. Der gesamte Bildzyklus lenkt seine Aufmerksamkeit auf sinnbildliche Waldlandschaften, die über sich und uns zu erzählen wissen.

¹ Jung, C.G. (1985). Traumsymbole des Individuationsprozesses. Psychologie und Alchemie 1 (4. Aufl.). Olten: Walter-Verlag AG.

Studiengang & Betreuung

Kommunikations-Design
Grafik & Typographie
Prof. Isabel Jägle

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