Concetta
Cardone
Model wird geladen

YENI ISTANBUL – Das neue Istanbul

Während die EU durch die Krise taumelt, boomt die Türkei mit ihrer Bauwirtschaft und der radikalen Stadterneuerung. Besonders Istanbul befindet sich scheinbar in einem unaufhörlichen Wachstumsprozess zur Global City, das soziale Härten und ökologische Probleme mit sich bringt.

Die derzeit regierende AKP-Partei gilt nicht nur als konservativ, die eine religiöse Rückwärtswende vorantreibt, sie gilt auch als eine neoliberale Kraft. Ihr Ziel ist es, die „heimliche Hauptstadt“ zum einflussreichsten Finanzzentrum des Nahen Ostens zu machen. Dafür beseitigt sie alle Hindernisse und das um jeden Preis.
Die konsumschwache Arbeiterschicht, sowie Arme und Abgehängte sollen aus ihrem „Wirtschaftsparadies“ verschwinden.
Forciert wird die Transformation durch gewaltsame Gentrifizierungsprozesse. Bewohner der sog. „Gecekondular“-Siedlungen (türk. Bezeichnung für „über Nacht gebautes Haus“ ohne behördliche Genehmigung) werden dabei gegen ihren Willen vertrieben und weit an den Stadtrand oder gar in den tiefsten Abgrund verdrängt.

Istanbul ist stark erdbebengefährdet. Als zentrales Instrument der Umstrukturierung macht sich der kapitalistische Staat ein Gesetz zu Nutze, das eigentlich dazu dient die Bevölkerung vor Naturkatastrophen zu schützen und missbraucht dieses, um ganze Stadtviertel zu räumen, abzureißen und mit neuen luxuriösen Immobilienkomplexen hochzuziehen.

Die staatliche Wohnungsbaubehörde wurde in private Bauunternehmen umgewandelt, die allen voran der Familie des Ministerpräsidenten gehören.
Allein der Versuch der Bewohner eine Räumung zu verhindern, kann mit Grundstücksenteignung oder Verhaftung bestraft werden. Zudem kappt die Regierung jegliche Infrastruktur dieser Stadtteile und bringt sie bewusst zum Verfall. Damit verfolgt sie das Ziel, nur minimale Entschädigungsleistungen an die Bevölkerung zu zahlen, um selbst maximalen Profit zu erlangen.

In meiner Arbeit zeige ich Momentaufnahmen betroffener Gecekondular-Siedlungen. Es geht um die äußere Veränderung des Stadtbildes: von noch bewohnten alten charakteristischen Straßenszenen über leerstehende Häuser/Ruinen bis hin zum Bau der Neubauviertel. Die Bilder dokumentieren ineinander fließende Kontraste zwischen alt und neu, arm und reich, sowie das was war und das was wird.
Es sind die baulichen Umstände, welche die soziale Entwurzelung der Arbeiterschicht wiederspiegeln – sie stehen symbolisch für die Aussichtslosigkeit der schwächeren Menschen und das für sie vom Staat ernannte Schicksal.

Studiengang & Betreuung

Kommunikations-Design
Fotografie
Prof. Michael Kerstgens-Wirth